Depressiver Alkoholiker ohne Freunde und Freude stellt seine Werke aus der Jugend zur Schau.

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Das Vöglein

 


Ein Vogel zieht vorüber
vor Wolken grau und schwer
der tosende Sturm und Regen
kümmert ihn gar nicht mehr

Weiter fliegt er Futter suchen
unterm tristen Himmelszelt
ohne Sinn - gar größ’res Streben
tut er, was ihm grad gefällt

Wie fühle ich dem Tiere nach
ich würd es gern begleiten
vielleicht sogar ein Rollentausch
lass’ ich mich doch grad auch so leiten

Morgensonne

 

 

Er torkelte die Strasse der Grossstadt entlang.
Rechts Häuser, Wolkenkratzer und Leuchtreklamen von der Eckkneipe
bis zur Spielhölle. Zu seiner linken die Hauptstrasse, breit gebaut,
manchmal parkende Autos zwischen ihm und diesem Niemandsland.
Seine Sinne waren zum Bersten angespannt, jeden Moment erwartete
er das Unglück; doch welches es sein könnte, konnte er nicht einmal
im Ansatz erahnen. Bei diesem Gedanken wurde ihm schlecht.
Sein Magen schlug einen Purzelbaum nach dem andern.
Das Gedächtnis meldete sich zu Wort. Er hatte sich wieder
einmal vollkommen daneben benommen, hatte wildfremde Leute provoziert,
die Kellnerin, die er weder hübsch noch freundlich kennenlernte
angebaggert, als ob sie die letzte Frau dieser Welt gewesen wäre.
Auf einmal wurde ihm schlecht. Übelkeit aus seinem eigenen
Fehlverhalten herrührend. Da sah er ein Licht. ARAL! Ja, hier würden
sie ihm noch einen Six-Pack Bier und eine Flasche Schnaps verkaufen,
wenn er nur seine EC-Karte in der Hosentasche finden würde. Und -
mit Sicherheit! - das würde er!
Einige Ewigkeit, die seine Armbanduhr 34 Minuten schimpfte, später
stand er wieder da und hörte das Hupen der Nachtfahrer. In der Tüte,
die seine linke Hand krampfhaft festhielt, entdeckte er 6 Flaschen
Oettinger Pilsener, zwei Päckchen Zigaretten der Marke Lucky Strike
sowie eine Flasche Jack Daniel's Red Label und eine Flasche Jim Beam
Bourbon. Die Zigarette in seinem Mund störte ihn gewaltig als er den
Bacardi Rigo endgültig leeren wollte.
"Rigo?" dachte er und lallte es in diese abgefuckte Welt hinaus.
"Wer kommt auf die beschissene Idee, so ein widerliches Gesöff zu
saufen?"
Er warf die Flasche mit aller Macht von sich. Etwa 2 Meter weit,
wobei er in die Grünfläche fiel. Seine Zigarette war ihm aus dem
Mund gefallen. Egal.
Er fingerte unbewusst eine frische aus dem dritten Päckchen, das er
ebenso abwesend in seiner Brusttasche fand und steckte sie mühsam an.
Nachdem er trotzig eines der Biere geöffnet hatte, richtete er sich
schwankend auf und versuchte weiterzugehen. Eine unnütze
Kraftanstrengung. Sofort wieder fallend, konnte er sich an eine
nahestende Alleeweide klammern und mit ihrer Hilfe eine bedenklich
wacklige aufrechte Position halten.
So verharrte er bis zwei weitere Flaschen Pilsener und ein
Teil des Jackie's in seiner Kehle verschwunden waren, immer
lauthals grölend "I hurt myself today - to see if I still feel..."
in erschauernd schrägen Tönen, während sein Körper in eine halb
sitzend, halb liegende Position herabsank.
Kurz nachdem die Glocke eines weit entfernten Kirchturmes Viertel
vor Fünf geschlagen hatte, sprach ihn eine klirrend helle,
unerträglich hohe Stimme an. Das Gesicht konnte er nicht sehen,
da er die Lider schon lange geschlossen hielt: "Hey, bist du ok?"
"Mir gehts gut, ich lebe" lallte er. Und nach einer kurzen Pause,
in der er rülpste und die Augen öffnete soweit das sein Zustand
zuliess: "Meine Grossmutter liegt im Sterben, mein Grossvater ist
auf dem Weg dahin, ich habe kein Geld, keine Arbeit und keine
Ausbildung." Bei diesen Worten wurde seine Stimme klar und fest.
Er erhob sich unter Mühen, aber doch gänzlich ohne Hilfe. "Jetzt",
und er betonte das Wort mit rasierklingenähnlicher Schärfe,
"geht es mir gut. Aber ich weiss, was morgen sein wird!"
Die Frau sah ihm tief in die Augen. Ein fester, ehrlicher und
mitleidiger Blick zugleich. Sie könnte vom Alter seine Mutter sein,
doch ihre Gesichtszüge wirkten neben aller jugendlichen Frische reif
und neben aller Heiterkeit, die sie sonst sicher verstrahlen könnte,
ernst. Sie trat einen Schritt näher heran, ohne den Blickkontakt zu
verlieren.
Er zuckte zurück. "Nein! Du bist attraktiv, ja. Aber ich will
alleine sein, einfach allein sein. Alle die, mir etwas bedeuteten
sind fort, tot, verändert!" Bei den letzten Worten brach er in ein
elendiges Schluchzen aus, das sich in todtrauriges Weinen steigerte.
"Du hast zuviel erlebt", sprach sie ihn an mit sanfter, engelsgleicher
Stimme, während sie ihm tröstend über den Kopf strich.
"Dein Schmerz verzehrt dich - und verzerrt was du zu denken
versuchst!" Sie stoppte für einige Augenblicke und bemerkte,
dass er sich ein wenig beruhigte und ihr zuhörte. "Ich will nicht
deine Liebe fordern. Ich versuche, sie zu erwecken aus ihrem Schlaf.
Ich kann nicht deine Grosseltern lebendig machen. Ich versuche, dir
den Verlust zu erleichtern. Ich will nicht Ersatz sein für all das,
was du bedeutungsvoll nanntest und verloren hast. Ich versuche, dir
begreiflich zu machen, dass es auch anderes gibt und dass das
vielleicht noch viel mehr Bedeutung für dich in sich trägt."
Die Tränen trockneten schon in seinem Gesicht.
"Es wird Tag für die Welt", sagte sie, auf den Sonnenaufgang blickend,
"und heute wird es auch ein lichter Tag für dich!"
Er rieb sich die Augen. Als er sie wieder öffnete, stand er in
der Morgensonne, seinen Whiskey in der rechten Hand, die gefüllte
Tüte in der linken.
Einige sehr lange Minuten stand er so da, immer noch nahe dem Baum.
Dann warf er mit einem Lächeln auf seinem Antlitz die Flasche und
die Tüte schwungvoll von sich.

Träumer

 

 

Ich träume ich würde leben.
Nur einen Augenblick..
Eigentlich für immer.

Die Illusion lullt mich ein.
Mein warmer Mantel.
Eigentlich ein falscher Schutz.

Angst bedeutet für mich Leben.
Ich genieße sie.
Nur nicht bedingte Angst. Sie quält.

Liebe kenne ich anders als viele.
Oft da, sehr schön.
Nur nicht als Zuflucht. Das ist feige.

Freiheit ist zum Begriff mutiert.
Hat den Gehalt verloren.
Kann man ohne Freiheit leben?

Erfüllung ist des Lebens Sinn.
Heutzutage nicht mehr realisierbar.
Ein Leben ohne Sinn?

Frieden ist scheinbar erreicht.
Globaler Frieden.
Aber innerer Frieden?

Hoffnung basiert auf positiven Zukunftsvisionen.
Realisten sind Pessimisten - heute.
Ich bin ein Träumer.

Das Leben und der Weg

 

 

Ich fühle mich stark
Ich fühle mich autark
doch das kann nicht sein
der Mensch lebt nie allein
Ich glaube an mich
bin stolz auf mein Gesicht
doch Menschen sind mir fremd
bin ihnen gegenüber gehemmt
Ich liebe die Menschen
doch stoße an die Grenzen
von meiner eignen Welt
die mich hier hält
kann sie nicht verlieren
muß nach Liebe gieren
Soll mich überwinden
will ich Frieden finden
Ich fühle mich einsam
die Zeit vergeht so langsam
Angst geht vorbei und wächst erneut
und es gibt wenig, das mich freut
Weiter seh ich meinen Weg
viele Kurven sind zurückgelegt
doch nach dem eb’nen graden Stück
kommen die Serpentinen zurück
Der Weg ist weit
die Strasse breit
Ziel ungewiss - Gewissen gut
daraus schöpf ich neuen Mut

Blume in der Nacht



Die Blume steht am Wegesrand
Wunderschön, doch zart besaitet
Bis hierhin hat sie mich geleitet
Doch bin ich hier bin ich verbannt

Mein Herz pocht schwächer jeden Tag
Ich kann den Takt kaum mehr verspüren,
Kann die Blume nicht berühren
Obschon ich nichts noch lieber mag

Eine Seele nannte ich einst mein
Doch selbst hab ich sie zerbrochen
Nun komm ich hier so angekrochen
Und wünschte mir nur ich zu sein

Oh, Blume, zeige mir dein Licht
Allein kann ich nicht sehen
Hab verlernt gradaus zu gehen
Ohne dich, Blume, leb ich nicht

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